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100 Jahre Gymnasium am Babenbergerring

Das Gymnasium, der Turnverein und die Doppelturnhalle



BG Babenbergerring vom CA-Gebäude Richtung Reckturm 1981, Foto: Franz Kampichler senior

Im Sinne des von Friedrich Ludwig Jahn seit 1811 entwickelten Turnens mit dem Wahlspruch „Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei“ wurde auch in Wiener Neustadt 1862 ein „deutscher Turnverein“ gegründet. Aus diesem ging noch im selben Jahr eine freiwillige Turnerfeuerwehr hervor, aus der 1869 die „Freiwillige Feuerwehr Wr. Neustadt“ wurde. Der Turnverein setzte sich für die Einführung des Schulturnens ein und erreichte, dass am Gymnasium ab dem Schuljahr 1874/75 Turnen als Wahlfach eingeführt wurde. 1897 beantragte der Lehrkörper des Gymnasiums den obligatorischen Turnunterricht, was aber von der Schulbehörde abgelehnt wurde. Sie genehmigte aber, dass für den freiwilligen Turnunterricht die Lehrer vom Turnverein ausgebildet werden durften und bis 1910 auch das Turnen obligater Unterricht wurde. 1928 kaufte der Turnverein seinen bisher gemieteten Sommerturnplatz, ein großes Areal, umgrenzt von Babenberring - Herrengasse - Baumgartgasse und Frauengasse. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1938 wurde der Turnverein aufgelöst und der Besitz eingezogen. 1945 wurde auch noch die ehemalige Turnhalle durch die Bombenangriffe zerstört. Seit 1946 kämpfte ein Proponentenkomitee darum, dass dem ehemaligen Turnverein das 1938 enteignete Areal zurückgegeben werde, was 1950 größtenteils von Erfolg gekrönt war. Nur auf das jetzige Areal der Feuerwehr und den Platz zwischen Reyergasse und Baumgartgasse musste verzichtet werden. 1952 erfolgte dann die offizielle Wiedergründung mit dem Obmann Dr. Georg Buben als „Turnverein Wiener Neustadt 1862“ im parteiunabhängigen Österreichischen Turner-Bund (ÖTB). Der Verein hatte nun zwar wieder einen Turnplatz, aber keine Turnhalle mehr, für deren Neubau das Geld fehlte. Am 12. April 1960 schloss der Turnverein daher ein Übereinkommen mit der Republik Österreich, vertreten durch das Bundesministerium für Unterricht, dass er bereit wäre, den Turnplatz an die Republik Österreich abzutreten, wenn ihm dafür „Mitbenützungsrechte an bundeseigenen Turnanlagen“ zugestanden würden. Als Gegenleistung für diese Schenkung verpflichtete sich die Republik Österreich, dem Turnverein Wr. Neustadt 1862 die Mitbenützung folgender von ihr auf der Liegenschaft Wiener Neustadt Babenbergerring 6 zu errichtenden Turnanlagen einzuräumen: a) einer der beiden Turnhallen nach Wahl des Turnvereines Wiener Neustadt 1862 im Umfang gemäß Punkt IV und Punkt V dieses Übereinkommens und b) des Turn- und Spielplatzes im Umfang gemäß Punkt VI dieses Übereinkommens.

Punkt IV: Dem Turnverein Wiener Neustadt 1862 werden für den Turnsaal samt Nebenräumen folgende Benützungszeiten eingeräumt: montags bis einschließlich freitags von 18:00 bis 23:00 Uhr, samstags von 14:00 bis 23:00 Uhr und sonn- und feiertags von 8:00 bis 23:00 Uhr. Eine fallweise Benützung des Turnsaales samt Nebenräumen nach 23 Uhr sowie deren Benützung in den Schulferien ist möglich, bedarf aber für den jeweiligen Fall einer besonderen Regelung. Punkt V: Jeweils zu Beginn des Schuljahres hat der Turnverein Wiener Neustadt 1862 der Direktion der Schule, der die Turnhallen unterstehen, bekannt zu geben, welche Benützungsstunden er im Rahmen der im Punkt IV angegebenen Benützungszeit in Anspruch zu nehmen gedenkt. Punkt VI: Der Turnverein Wiener Neustadt 1862 hat jeweils zu Beginn des Schuljahres auf ein Jahr im Voraus bekannt zu geben, welchen der im Punkt II erwähnten Turnplätze er in dem Jahr zu benützen gedenkt; die Benützungszeiten werden von der Direktion der Schule, der der betreffende Turnplatz unterstellt werden wird, im Einvernehmen mit dem Turnverein Wiener Neustadt 1862 unter Berücksichtigung des Bedarfes der anderen in Wiener Neustadt ansässigen Turnvereine festgesetzt, wobei aber der betreffende Turnplatz dem Turnverein Wiener Neustadt 1862 mindestens zweimal pro Woche (an Werktagen) zur Verfügung zu stehen hat. An Wochentagen kann sich die Benützungszeit von 18 bis 22 Uhr (Samstag von 14 bis 22 Uhr), an Sonntagen von 8 bis 22 Uhr erstrecken. Eine Vorverlegung dieser Benützungszeiten ist möglich, sofern hierdurch die Interessen der den betreffenden Turnplatz benützenden Schulen nicht beeinträchtigt werden. Eine fallweise Benützung des Turnplatzes in den Schulferien ist möglich, bedarf aber für den jeweiligen Ferienzeitraum einer besonderen Regelung. Im Punkt X wurde festgelegt, dass diese Rechte zur kostenlosen Mitbenutzung 99 Jahre gelten. Zusätzlich zu diesem Übereinkommen kam es noch am 20. April 1966 zu einem Vertrag zwischen dem Turnverein Wiener Neustadt 1862 und der Republik Österreich, vertreten durch das Bundesministerium für Handel und Wiederaufbau und den Landeshauptmann von Niederösterreich, Dipl. Ing. Eduard Hartmann, wo definitiv festgelegt wird, dass der Turnverein 4192 Quadratmeter an die Republik Österreich übergibt. In der Folge errichtete die Republik Österreich für das Realgymnasium rasch die Doppelturnhalle mit einem danebenliegenden Turnplatz, welche im Schuljahr 1967/68 in Betrieb gingen. Das verbaute Areal der Doppelturnhalle umfasst 993,40 Quadratmeter. Erst ab dem Schuljahr 1976/77 durfte auch das aus allen Nähten platzende Bundesgymnasium am Babenbergerring die Doppelturnhalle mitbenutzen. Auch das BORG hatte hier einen Teil seiner Turnstunden. Das Bauwerk mit einem Flachdach zeigte jedoch bald seine Mängel. Daher musste vom Sommer bis Ende Oktober 1979 eine erste Sanierung des Daches und der Böden der Turnhalle erfolgen. Ab dem Herbst 1980 stand dem Realgymnasium die neue Schule in der Gröhrmühlgasse zur Verfügung, wodurch es keinen Bedarf an der Doppelturnhalle hatte. Dies ermöglichte wieder, dass das Gymnasium ab 1981 die Doppelturnhalle mit dem Freiturngelände als schuleigenes Turnareal vom NÖ-Landesschulrat zugewiesen bekam. Über eine eigene Turnhalle verfügen zu können, nur leicht eingeschränkt durch die Benutzungsrechte des Turnvereins, war ein wertvoller Meilenstein zum heutigen modernen Schulareal des Gymnasiums Babenbergerring.

Im Schuljahr 1984/85 musste die Glasziegelaußenwand am Babenbergerring aus wärmetechnischen Gründen durch eine feste Ziegelmauer ersetzt werden. Es erfolgte eine Erneuerung aller sanitären Bereiche und die Errichtung einer Kraftkammer. Im Zuge der großen Zubauten am Gymnasium von 1983 - 1989 wurde das Gebäude von 1987 - 1989 mittels eines komplizierten Tunnelbaues, erschwert durch unterirdische Grundwasserströme unter der Frauengasse, direkt mit der Doppelturnhalle verbunden. Seitdem gehört die Doppelturnhalle unauflöslich zum Gesamtschulareal des BG Babenbergerring. Im Schuljahr 1991/92 war eine nochmalige Generalsanierung des Daches zu einem flachen Giebeldach notwendig. Außerdem erfolgten eine Renovierung der beiden Hallen und die volle Erneuerung der Innenausstattung. Alle Turngeräte wurden neu gekauft, wofür der NÖ-Landesschulrat Gesamtkosten von 1.180.000,53.- Schilling berechnete. Die zusätzlichen Kosten für die Sportplatzsanierung betrugen 143.148.- Schilling und für eine Beregnungsanlage mussten 52.595.- Schilling ausgelegt werden. Auch die Heizung in der Doppelturnhalle wurde erneuert und es erfolgte ihre Umstellung von Öl auf Erdgas, wie schon vorher im Gymnasium. Auch die Fassade wurde erneuert. Ihr straßenseitiger Mittelbereich wurde im Herbst 1996 von Prof. Gotthard Fellerer mit Schülern künstlerisch gestaltet, was nur mittels eines Baugerüstes möglich war. Obwohl der Tunnel mit einer wasserdichten Wanne errichtet wurde, kam es doch zu leichten Wassereinsickerungen, wodurch eine Benützungssperre ab September 2009 verfügt werden musste. Im Schuljahr 2009/2010 erfolgte eine aufwendige Sanierung des Tunnels und seit Mai 2010 ist der Durchgang wieder geöffnet. Im Schuljahr 2007/08 wurde die ehemalige Schulwartwohnung im 1. Stock der Doppelturnhalle für das Tagesschulheim umgebaut, das nun hier seit dem Schuljahr 2008/2009 untergebracht ist.