Muslimische Einwanderer erleben, kraß ausgedrückt, einen Kulturschock durch den Wechsel von einer zugleich stützenden wie auch einschränkenden dörflichen" Gesellschaft, zur weltlichen individualistischen und auch hochmobilen Kultur moderner Industrieländer sowie die Schwierigkeiten der sozialen Integration und das Gefühl, von den Gastländern nicht gewollt oder nicht akzeptiert zu sein. Im Westen finden sie sich daher in einer Umgebung vor, in deren engen Netz" der alltäglichen Geschäfte wenig oder gar kein Raum für ein Leben in ihrer kulturellen und religiösen Tradition bleibt.
Die Reaktion vieler Muslime darauf ist eine Zweiteilung ihres Lebens. Im öffentlichen Leben passen sie sich der christlichen Gesellschaft mit ihren Sitten und Gebräuchen an und im Privatleben, in der Familie und auch im Kreis von Glaubensgenossen, ziehen sie sich auf ihre traditionellen Wertvorstellungen zurück.
Die Schwierigkeiten der Muslime der Arbeiterklasse werden noch verstärkt durch die negative Einstellung, die der Islam und Muslime in den Medien erfahren. Oft genug werden, sogar in religiösen christlichen Kreisen, geistlose Halbwahrheiten, die durch Vorurteile entstanden sind, und offenkundige Verleumdungen gegen den islamischen Glauben, oft zwar unbemerkt, verbreitet.
Ein anderes Problem ist, daß die Muslime der ersten Generation ihre Kinder in einer völlig anderen Welt" oder Umgebung, mit einer völlig verschiedenen Wertvorstellung, aufwachsen sehen, als die ihre ist. Die Heranwachsenden der zweiten Generation hingegen, die in einem europäischen Land geboren sind und dort aufwachsen, werden von der dortigen Mentalität, Lebensstil und auch den Medien geprägt. Sie würden sich deshalb in ihrem eigentlichen Heimatland ausgeschlossen fühlen, genauso wie auch als Europäer. Das bringt natürlich mit sich daß diese zweite Generation nie oder nur schwer eine Zugehörigkeit zu einer Religion oder Land erfahren wird. Das wiederum macht die Konfliktlösung zwischen Muslimen und Christen nicht gerade einfacher.
Bei der Beschreibung der christlichen Minderheiten in islamischen Gesellschaften ging es um Menschen- und Bürgerrechte. Die Situation von muslimischen Minderheiten in christlichen Gesellschaften ist geprägt durch mangelnde Annahme und fehlendem Respekt ihrer Religion gegenüber. Es gibt etwas, das allen beiden Seiten fehlt, ein bißchen mehr Verständnis und der Begriff der Gegenseitigkeit.