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100 Jahre Gymnasium am Babenbergerring

Teilweise Zerstörung des Schulgebäudes durch Bomben der Alliierten



Der zerstörte Südtrakt des Gymnasiums 1945

Die zunehmende Not im Ersten Weltkrieg und in der nachfolgenden 1. Republik zeigt sich daran, dass nach dem Jahresbericht im Kriegsjahr 1916 der nächste erst im Jahre 1939 herauskommen sollte. Nachdem die Schule in einem guten baulichen Zustand war, dürften in diesen Notjahren glücklicherweise auch keine baulichen Veränderungen notwendig gewesen sein.

Keine leichte Aufgabe wartete auf Direktor Herman Hinghofer (1920 - 1930). Als neu ernannter Direktor musste er mit der traurigen Hinterlassenschaft des großen Völkerringens fertig werden. Denn die widrigen Umstände der letzten Kriegsjahre, Kohlenferien, fortwährende Lehrerwechsel, Abwesenheit von Lehrern und Schülern durch Militärdienst und Gefangenschaft, bestanden noch lange weiter. Durch die Kriegswirtschaft und die folgende Inflationszeit bedingt, verfielen die Einrichtung der Klassen, die Lehrsäle und die Lehrmittelsammlungen zusehends. Nach einem Schülerrückgang in der Not der unmittelbaren Nachkriegszeit stieg die Zahl der Gymnasiasten ab dem Schuljahr 1927/28 auf über 400. Manche Klassen waren mit weit mehr als 50 Schülern überfüllt, da aus Einsparungsgründen und Platzmangel Parallelklassen nur in unzureichendem Maße bewilligt wurden. Die Maturantenzahl erhöhte sich von 14 im Jahre 1911 auf 42 im Jahre 1935. Es gab also seit der Errichtung des neuen Schulgebäudes eine deutliche Zunahme an Gymnasiasten in Wr. Neustadt. Gegen Ende des Schuljahres 1935/36 wurde im ersten Stock das von dem akademischen Maler Prof. Alois Wrubel geschaffene Kriegerdenkmal für die 20 im Ersten Weltkrieg gefallenen Maturanten enthüllt. Am Samstag, dem 23. Mai 1936, nahm nach einer heiligen Messe Kardinal-Erzbischof Dr. Theodor Innitzer die Weihe der Gedenktafel vor, die von ehemaligen Schülern gespendet worden war. In der Phase der Diktaturen des Austrofaschismus 1933 - 1938 und des Nationalsozialismus 1938 - 1945 hätte es keine Veränderungen im Schulgebäude gegeben, wenn die Schrecken des 2. Weltkrieges ab 1943 nicht auch nach Wiener Neustadt getragen worden wären. Durch den von Hitler ausgelösten Krieg gab es den ersten größeren Angriff amerikanischer Bomberverbände auf Wiener Neustadt am 13. August 1943. Es folgten zahlreiche weitere Luftalarme, die selbst eine kriegsbedingte Führung des Unterrichts unmöglich machten. Daher wurde der Gymnasiumschulbetrieb mit dem Leiter und den noch vorhandenen Professoren im November 1943 in das KLV (Kinderlandverschickung)-Lager nach Ysper (Waldviertel) verlegt. Während Professoren und Schüler somit in weniger gefährdeten Gebieten den Schulbetrieb fortführten, blieb Wr. Neustadt das Ziel immer schwererer Luftangriffe amerikanischer Bomberverbände. Obwohl die Rüstungsindustrie praktisch lahmgelegt war, setzten im Februar 1945 die Luftangriffe auf Wiener Neustadt neuerlich ein und nahmen an Häufigkeit zu. Keine Woche verging, ohne dass nicht die Stadt wieder das Ziel hunderter Bomben geworden wäre. Besonders arg wurde es Mitte März 1945: Die heftigen Bombardements am 14., 15. und 16. März 1945 verwandelten Wiener Neustadt in ein riesiges Trümmerfeld. Die St.-Georgs-Kirche in der Burg wurde zerstört, ebenso der Posthof. Das Gymnasium, das Lehrerseminar (jetzt BORG), die Realschule und das Gaswerk erlitten schweren Schaden. Der 29. und letzte Bombenangriff auf Wiener Neustadt war am Ostermontag, den 1. April 1945. Die von August 1943 bis April 1945 über Wiener Neustadt abgeworfenen 52 000 Bomben hatten 65 % des Häuserbestandes zerstört oder zumindest schwer beschädigt. Nur 17 der ca. 4000 Häuser waren gänzlich unversehrt geblieben und für die Wiener Neustädter schien das Jahr Null gekommen. Beim Angriff am 14. März 1945 erhielt das Gymnasium am Babenbergerring schwere Bombentreffer, denen der Südtrakt mit der Direktionskanzlei, Konferenzzimmer, Lehrer- und Schülerbibliothek sowie die Schulwartwohnung zum Opfer fielen. Seit 1944 war das Schulgebäude als Kriegslazarett verwendet worden. Bei der Bombenwarnung am 14. März 1945 flüchteten die Krankenschwestern mit den Patienten in die Luftschutzkeller. Die zwei Ärzte, Dr. Krismanich und Dr. Witt, blieben jedoch zurück und wurden unter den Bombentrümmern der halb zerstörten Schule begraben.