Die arabische Musik


Unter arabischer Musik versteht man die Musik des islamischen Kulturkreises. Die wenig bekannte vorislamische Musik unterschied sich kaum melismatischen hebräischen und altägyptischen Formen. Der arabische Gesang lebte nur im Zusammenhang mit der Poesie und dem Sprachakzent. Daß das nicht so geblieben ist, verdankt die arabische Musik der militärischen Verbreitung des Islam, wobei viele fremde Kulturen aufgenommen wurden.

Es sind fünf große Perioden der Entwicklung zu erkennen:

Die rein arabische Periode von den vorislamischen Ursprüngen bis zu den ersten muslimischen Eroberungen  
Die Periode bis etwa 830  
Die Periode der Verbreitung, die gekennzeichnet ist durch die Ankunft von Ziryab in Andalusien. Ziryab war ein bekannter Musiktheoretiker. Er war Ratgeber der omajjadischen Kalifen in Cordoba und tonangebend in musikalischen Dingen. Er hatte auch Ideen über die therapeutische Wirkung der Musik.
das Wetteifern zweier Schulen (Bagdad im Osten, Cordoba im Westen).
Die Periode der Konsolidierung (bis zum Ende der Mamelukenherrschaft 1516)  
Die zeitgenössische Periode.  

Die ursprüngliche arabische Musik war Volkskunst. "Der Beduine hat die primitiven Rhythmen dem Kamelschritt und dem Pferdegalopp abgelauscht." 661 mit dem Ende des Wahlkalifats und der Machtergreifung der Omajjaden entwickelte sich ein neuer mehr rhythmischer Musikstil, neue Werke entstanden, es blieb jedoch ein Zusammenhang mit der Dichtung bestehen. Die Araber brachten berühmte Künstler hervor:

Ibn Mussayik (Komponist, einer der ersten Musiktheoretiker)

Muslim Ibn Muhriz (sein Schüler, erfand einen neuen Rhythmus, den "ramal"; die vierteilige Strophe beeinflußte später die andalusische Poesie)

Mit dem Beginn der Abbasidendynastie wurde der griechische Einfluß zugunsten des persischen zurückgedrängt. Mit der Gründung Bagdads begann eine Blüte aller Kulturzweige - auch der Musik. Sie wurde zu einer Wissenschaft. Der bekannteste Vertreter dieser Richtung Ishaqs begann mit einer hohen Note, die Melodie entwickelte sich in langsam ansteigenden Intervallen. Die Tonleiter wurde auf 20 Oktaven erweitert, fremde Musik wurde den arabischen Erfordernissen angepaßt. So wurde aus dem Beduinengesang eine hochentwickelte Kunst. Am Hofe des Kalifen wurde die Musik Bestandteil des Zeremoniells. Die Instrumente wurden dem Fortschritt angepaßt, insbesondere die Laute, das Hauptinstrument der arab. Musik. 750 wurden die Omajjaden (Residenz Damaskus) von den Abbasiden ausgerottet, nur Abderrahman gelang die Flucht nach Westen - er gründete das Emirat von Cordoba. Dort entwickelten sich Schulen mit verschiedenen Stilrichtungen, ebenso in Bagdad dem östlichen Zentrum. Man war um die wissenschaftliche Erfassung der muslimischen Kultur bemüht, was aber bei der ethnischen Vielfalt der muslimischer Völker auf Schwierigkeiten stieß. Die arabischen Musiktheoretiker übernahmen Elemente des griech. Musiksystems: es war auf dem Tetrachord aufgebaut. Die beiden äußeren -feststehenden- Töne und die beiden inneren -beweglichen- Töne. Von den beweglichen Tönen hing der Charakter des Tongeschlechtes ab, welches diatonisch, chromatisch oder enharmonisch sein konnte. Innerhalb der Geschlechter konnten sich die beweglichen Töne durch Bruchteile einer Saite verändern. Mit Hilfe des Monachords wurden diese Varianten wissenschaftlich zusammengefaßt. Theoretisch ergab sich daraus eine unendliche Zahl von Möglichkeiten. Die Praxis bevorzugte jedoch die sieben diatonischen grundlegenden Oktavgattungen.

Die Griechen sahen die Tonleiter als absteigende Folge von Tönen, die Araber betrachteten sie als aufsteigende Linie: daraus ergibt sich eine vollständige Umdrehung der Theorie. Das Studium der diatonischen Leiter bildete die Grundlage der arab. Theorie. Der arabische Rhythmus läßt sich in "zusammengesetzt" und "getrennt" bzw. "unterbrochen" einteilen. Der erste geht auf einen zweiteiligen Marschrhythmus zurück, der zweite bildet die Rhythmik der heutigen Orientalen. Es sind aber vielmehr rhythmische Perioden als Rhythmen. Die Musik wurde sehr gepflegt. Sie wurde sogar zur Volkskunst. Im Westen bildete sich eine neue , typisch spanische lyrische Kunst. Die arabische Dichtkunst übernahm neue strophische Formen, welche an Oden oder Balladen der Renaissance erinnern. Mit diesen beiden Formen veränderte sich auch die musikalische Metrik grundlegend. Die alte Ballade der Araber war auf eine lange Reihe von Versen gleicher Struktur und gleicher Länge aufgebaut. Die melodische Phase war also sehr beengt. Bei der Berührung mit den Persern und den Byzantinern wurde diese Einförmigkeit belebt Ibn Muhriz erweiterte die Phrase auf zwei Verse (aaba). Diese klassische Schema existiert noch heute in der arabischen Musik.

Die arabische Musik hatte ihre Blütezeit zwischen dem 7. und 13. Jhd. Sie ist eine primär melodisch bestimmte Kunst. Als eigentliche Leistung der arabischen Musik wird die Lehre des Maqam angesehen. Die Maqamat sind Melodienmodelle, die als Grundlage der Improvisation gelten. Die klassische arabische Musik kennt kein Orchester, sie ist ihrer Natur nach Kammermusik, in der die Sololeistungen der einzelnen Künstler beherrschend sind. Der Musikkongreß 1932 in Kairo führte vorerst zur Feststellung, daß die Tonleitern der heutigen arabischen Musik des Orients gänzlich verschieden von derjenigen der westarabischen sind. Letztere besitzt eine Leiter, welche außerordentlich dem temperierten System entspricht. In der Türkei, in Syrien, im Irak und in Ägypten ist man jedoch den Intervallen, die kleiner als ein Halbton sind, treu geblieben. Die mit dem Sonometer angestellten Untersuchungen der Leiterkommission haben bewiesen, daß von einer einheitlichen arabischen Musik nicht die Rede sein kann. Es gibt aber dennoch gewisse Charaktereigenschaften, die in allen arabischern Musikdialekten enthalten sind. Dazu gehört die Verwendung mannigfacher Tonarten, die auf jeden einzelnen der sieben Stufen aufgebaut werden können. Weiters ist häufig die übermäßige Sekunde anzutreffen, ein Kriterium, welches allerdings nicht bindend ist. Allen arabischen Musikdialekten ist weiterhin der Sinn für komplizierte Rhythmen gemeinsam, welche durch das Schlagwerk in einer von der Melodie fast unabhängigen Weise vorgetragen werden.

Der Mangel polyphoner oder harmonischer Elemente und die Vorliebe des Orientalen für solistisches Instrumentalspiel, für geringe Klangstärke und für kleine Ensembles sind wesentliche Charaktereigenschaften der arabischen Tonleiter. In beiden Tetrachorden ist die arabische Terz etwas tiefer als die europäische. Die Untersuchung aller Theoretiker im Lauf der Geschichte kommen zu demselben Resultat. In der Leiter von Safr ed Din wie in der von Ahmed Amin ed Dik finden wir die ptolemäische Leiter wieder. Jeder Melodientypus und jede Tonart hat nie mehr als acht Töne in der Oktave, aber die Auswahl dieser acht Noten kann innerhalb der 24 Stufen der Leiter getroffen werden. So ist der Grundton -rast- (=G) Ausgangspunkt für 18 verschiedene Tonarten, der -dukah- (=A) hat 16 Tonarten, der -siks- (=H) vier, der -jahrkah- (=C) und der -husseni- (=E) jeweils nur eine. Es sind derzeit ca. 110 verschiedene Rhythmen aufzählbar, allein 20 davon in Ägypten, während z. B. Nordafrika ( ohne Ägypten ) nur acht davon kennt. Dazu kommen noch die Varianten. Man kann sich ungefähr ein Bild von der Mannigfaltigkeit machen, welche der Rhythmus der arabischen Musik bestimmt.


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