Scharia


Das religiöse Gesetz, durch dessen Bestimmungen Gott den ganzen Menschen beansprucht: seinen Verstand und seinen Willen, seine Urteils-, Entscheidungs- und Tatkraft, ist die Grundlage der politischen Ordnung in der islamischen Gesellschaft. Die koranischen Grundbestimmungen und die verbindlichen Anweisungen des Verkünder des Islam, Muhammad, sind die Richtlinie der Tätigkeit der Regierung in einem islamischen Staat; sie dienen auch als Maßstab zur Bekräftigung ihrer Autorität oder zur Verurteilung ihrer Willkür.

Das religiöse Gesetz bildet auch die Grundlage der Rechtsprechung und der Ausübung der öffentlichen Ämter. Aufgrund dieser Bindung des politischen Lebens in der islamischen Gesellschaft an das von Gott in seiner Offenbarung erlassene Gesetz und an die von Gott autorisierten Anordnung seines Propheten wird die islamische Staatsordnung als Theokratie (=Gott ist der Führer des Staates) bezeichnet.

Die Autorität des Korans und die absolut gültige Beweiskraft seiner Verse beziehen sich auf den genauen Wortlaut des arabischen Originaltextes. Zum richtigen Verständnis der gesetzlichen Vorschriften dient die Auslegung, zumal der Koran selbst feststellt, daß von seinen Versen einige eindeutig und andere mehrdeutig sind. Die Auslegung der Korantexte muß auf die Tradition der früheren Kommentatoren achten und vor allem die berücksichtigen, die mit Muhammad lebten.

Die zweite Hauptquelle des religiösen Gesetzes ist die Sunna, der vorbildliche Weg des Propheten Muhammads.

Als dritte Quelle des religiösen Rechts im Islam gilt die Übereinstimmung aller Rechtsgelehrten einer Zeit nach dem Tod Muhammads in der Feststellung einer bestimmten praktischen Rechtsvorschrift.


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